Wie bekommst du Cannabis auf Rezept?

Allgemein Mediziner können Cannabis als Medikament verschreiben. Pressefoto der Techniker Krankenkasse Foto auf Flickr

Welcher Arzt darf Cannabis verschreiben? 

Seit der Gesetzesänderung im Jahre 2017, ist es Ärztinnen und Ärzten überhaupt erst möglich Cannabis als Medikament zu verschreiben. Auch die Krankenkassen übernehmen dafür teilweise sogar die Kosten. Doch wie bekommst du Cannabis auf Rezept? Und zu welchem Arzt musst du dafür gehen?

Der §2 der BtMVV beschreibt: Ärzt*innen aller Fachrichtungen dürfen Betäubungsmittel und somit Cannabis in verschiedenen Varianten verschreiben, egal ob sie eine Kassenzulassung haben oder privatärztlich tätig sind. Das bedeutet, grundsätzlich darf jeder Arzt*jede Ärztin Cannabis als Medikament verschreiben, egal welcher Fachrichtung sie angehören. Ausgeschlossen von dieser Regel sind allerdings Zahnärzt*innen und Tierärtz*innen. Natürlich kannst du nicht einfach zu deinem Arzt*deiner Ärztin gehen und um Cannabis bitten. Einige Voraussetzungen müssen vorhanden sein um Cannabis auf Rezept zu erhalten. Je nach Krankheit und Symptomatik, bezahlt sogar deine Krankenkasse das heilende Kraut. 

Voraussetzungen für Cannabis auf Rezept 

Grundsätzlich kann man jeden Menschen, egal welchen Alters mit cannabisbasierten Medikamenten behandeln. Ob das empfehlenswert ist, ist sicherlich eine andere Frage. Aber das kann nur ein erfahrender Arzt* eine erfahrende Ärztin entscheiden. 

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein. 

  • der Patient*die Patientin leidet an einer schwerwiegenden Erkrankung. (z.B. chronische Schmerzen, Krebs, krankhafte Appetitlosigkeit, er*sie erhält eine Chemotherpaie usw.) Für genauere Infos lies dir den Beitrag, “für welche Erkrankungen gibt es Cannabis auf Rezept”, durch. 
  • andere standardisierte Leistungen stehen nicht zur Verfügung oder können nicht angewendet werden. Das ist z.B. der Fall, wenn der*die Patient*in ein standardisiertes Medikament wegen einer Unverträglichkeit oder einer Wechselwirkung nicht einnehmen kann. 
  • es wurden bereits andere Therapien angewendet, aber diese haben keine ausreichende Wirkung gezeigt, oder haben sogar zu einer Verschlechterung geführt. 
  • wenn der Arzt*die Ärztin einschätzen kann, dass sich die Behandlung mit Cannabis nicht nachteilig für den Patienten/die Patientin auswirkt, kann Cannabis ebenfalls verschrieben werden. Es sollte Aussicht auf eine spürbar positive Wirkung auf den Krankheitsverlauf oder die Symptome bestehen. Dabei reicht die Beobachtung des Arztes*der Ärztin, sowie die Einschätzung und das Gefühl des Patienten.

Die unterschiedlichen Therapieformen werden durchleuchtet

Grundsätzlich kommen sowohl cannabisbasierte Fertigarzneien (z.B. Sativex®) als auch Cannabisblüten oder Cannabisblütenextrakte als Therapiemöglichkeit infrage. Die Entscheidung liegt hier bei dem Arzt*der Ärztin, in Abstimmung mit dem Patienten*der Patientin. Erfahrungswerte spielen dabei eine Rolle und an welche Anwendung sich der Patient* die Patientin heran traut. Hier muss der Arzt*die Ärztin überlegen, ob eine rein THC-orientierte Behandlung oder eher eine Kombination aus CBD und THC sinnvoll sind. Dabei spielen ebenfalls die Symptome und die schwere der Krankheit eine Rolle. Bei jeder cannabisbasierten Therapie, muss der Arzt*die Ärztin eine Begleiterhebung schreiben. 

Kostenübernahme der Cannabis Medikamente 

Der Verband der privaten Krankenversicherungen hat in einer Stellungnahme vom 19. September 2016 eine Kostenübernahme grundsätzlich zugestimmt. Es gibt bereits Fälle, in denen sowohl private als auch gesetzliche Krankenkassen die Kosten von Cannabis als Medikament übernehmen. 

Gesetzliche Krankenkassen  

Bevor das Cannabis von einem*r Arzt*der Ärztin verschrieben werden kann, muss er*sie eine Genehmigung von der Krankenkasse einholen. Die Krankenkasse darf diesen Antrag nur in begründeten Fällen ablehnen. Die Entscheidung über die Kostenübernahme der Cannabis Therpaie, hat je nach Krankheitsbild oder Dringlichkeit unterschiedlich lange Fristen. Möglicherweise fordert die Krankenkasse ein weiteres Gutachten ein. Laut dem deutschen Ärzteblatt genehmigte die Krankenkasse Barmer, seit inkrafttreten des Gesetzes im März 2017, bundesweit rund 2/3 aller Anträge auf medizinisches Cannabis. Ein sofortiger Therapiebeginn mit Cannabis wird grundsätzlich nicht von den Krankenkassen bezahlt. Allerdings könnte der*die Patient*in durch den Erhalt eines Privatrezepts sofort mit einer Cannabis Therapie beginnen. Der/die Patient/in bezahlt dann seine Arzneien erst einmal selbst und muss bei der Krankenkasse einen Genehmigungsprozess beantragen. 

Private Krankenkassen  

Bei privat Versicherungen ist die Situation einfacher. Die Versicherungen vergüten die betreffenden Rezepte normalerweise sogar ohne vorangegangene Prüfung. Aber auch nur, wenn der*die Patient*in einen Tarif gewählt hast, bei dem eine solche pflanzliche Therapie erstattet wird. Trotzdem empfiehlt es sich, vor Beginn der Therapie, sich mit der Krankenkasse in Verbindung zu setzen. Außerdem sollte der*die Patient*in eine Kostenzusage einholen, falls die Behandlungskosten eine Obergrenze überschreiten.

Gemäß der Musterbedingungen von 2009 übernimmt der Versicherer die Methoden und Arzneimittel, die sich in der Praxis als ebenso erfolgversprechend bewährt haben oder die angewandt werden, weil keine schulmedizinischen Methoden oder Arzneimittel zu Verfügung stehen. Das bedeutet, Cannabis als Arznei kann nur mit einer vorausgegangenen Krankheit eingenommen werden. Und natürlich musst du erstmal einen Arzt*eine Ärztin finden, der*die Erfahrung mit einer cannabisbasierten Therapie hat, und dir somit Cannabis auf Rezept verschreibt. 

Quelle: Häußermann Klaus/ Grotenhermen Franjo /Milz Eva (Februar 2017): Cannabis, Arbeitshilfe für die Apotheke, 1. Aufl., Deutscher Apotheker Verlag.

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