Medizinisches Cannabis

Medizinisches Cannabis sind Hybride. Hier ist eine schöne Cannabisflanze zu sehen, mit vielen Blüten.Foto: Jordon Greentree auf Flickr
Medizinische Cannabispflanzen sind Hybride. Foto: Jordon Greentree auf Flickr

Medizinisches Cannabis ist keinesfalls mit dem Cannabis zu vergleichen, dass du bei deinem Dealer um die Ecke erhältst. Es hat unter anderem einen festgelegten und streng kontrollierten Gehalt an THC und/oder CBD, ein detailliertes Terpenenprofil und ist das Produkt jahrelanger Forschung. Auch der Anbau erfolgt unter strengsten Kontrollen, denn nur so kann Cannabis als Medikament angewendet werden. 

Die Mischung macht’s 

Medizinisch eingesetztes Cannabis ist eine Kreuzung aus verschiedenen Cannabissorten. So eine Kreuzung wird als Hybrid bezeichnet. Um so einen Hybriden herzustellen, werden den bestehenden Sorten Cannabis indica, sativa und ruderalis bestimmte positive Eigenschaften entnommen und miteinander gekreuzt. Dabei entsteht die am besten nutzbare Cannabispflanze. Meistens ist das ebenfalls eine Cannabis sativa.

Neben dem veränderten und festgelegten Gehalt der Cannabinoide THC und CBD, muss der Hybrid natürlich so wirtschaftlich wie möglich sein. Durch die Kreuzung lässt sich ein schnelleres und gleichmäßiges Wachstum, ein vermindertes Längenwachstum, die Induktion und Verlängerung der Blütezeit und die Mengen an Blüten beeinflussen. Des weiteren soll die Pflanze für ihren Wachstum nicht unnötig viel Nährstoffe, Wasser und Energie verbrauchen. Und natürlich sollte sie auch robust gegen Schädlinge und Krankheiten sein. Das Interessante dabei ist: der Einsatz von künstlich wachstumsfördernden  Düngern oder von Pestiziden ist nicht zugelassen. 

Der Gehalt an Cannabinoiden  

Es ist sehr schwierig aber wichtig einen bestimmten THC bzw. CBD Gehalt in den Hybriden sicherzustellen, damit das medizinische Cannabis für bestimmte Krankheiten eingesetzt werden kann. Stellen die Hersteller bei der Kontrolle der geernteten Blüten auch nur die kleinste Abweichung fest, wird die komplette Ernte vernichtet. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Schließlich müssen sich Ärzt*innen und Patient*innen auf die genaueste Inhaltsmenge der Cannabinoide verlassen können. Denn nur so kann eine gut funktionierende Therapie mit Cannabis sicher gestellt werden. Ein holländisches Forscherteam konnte nachweisen, dass es möglich ist, aufgrund einer vorherigen Selektion, Pflanzen mit einem dauerhaft konstanten Gehalt an THC und CBD zu vermehren. Dazu sind strengstes kontrollierte Bedingungen notwenig. 

In Deutschland wird seit dem Jahr 2020 medizinisches Cannabis angebaut. Die Anbauhalle gleicht dabei einem Hochsicherheitstrakt und die Vorgänge werden strengstens kontrolliert. 

Medizinisches Cannabis und dessen Einsatz 

Theoretisch kann jeder Arzt (außer Zahn- und Tierärzte) medizinisches Cannabis auf Rezept verschreiben. In den meisten Fällen übernehmen die Krankenkassen die Kosten dafür.

Die Voraussetzungen sind allerdings:

  • der Patient*die Patientin hat alle anderen möglichen Therapien bereits getestet, und diese waren entweder erfolglos oder die Nebenwirkungen waren zu hoch. 
  • der behandelnde Arzt*die behandelnde Ärztin sieht einen anderen oder weiteren Therapieversuch als nicht sinnvoll an.
  • der behandelnde Arzt*die behandelnde Ärztin vermutet einen Erfolg hinter der Therapie mit Cannabis. 

Ist der*die Patient*in damit einverstanden Cannabis als Medikament zu testen, kann er*sie das Kraut in verschiedenen Formen einnehmen. Es gibt die Möglichkeit als ganze Blüte, als Kapsel oder auch als Spray (Sativex®). Es kommt darauf an, welche Erfahrung der*die Patient*in mit Cannabis mitbringt und was er*sie sich zutraut. Und natürlich spielt auch die Krankheitsdiagnose eine Rolle, genauso wie die Symptomatik. Derzeit wird medizinisches Cannabis vermehrt eingesetzt bei: 

  • Übelkeit und Erbrechen bei einer Chemotherapie
  • krankhafte Appetitlosigkeit, oder Appetitlosigkeit als Folge einer einer Erkrankung 
  • chronische Schmerzen
  • Spastiken 
  • multipler Sclerose 
  • uvm. 

Eine sehr beliebte und vielversprechende Sorte ist Pedanions 22/1. Sie beinhaltet 22% THC und 1% CBD und kann für viele Krankheiten eingesetzt werden. Somit ist sie sehr potent und nichts für unerfahrene Konsument*innen. 

Es gibt bereits verschiedene Studien, die über den Erfolg oder Misserfolg von medizinischem Cannabis Aufschluss geben. Doch so ganz sicher ist sich die Forschung durch die vielen unterschiedlichen Ergebnisse noch nicht. Es wird aber derzeit in den USA und in Israel viel Forschung mit Cannabis und seinen heilvollen Cannabinoiden betrieben.

 

 

Quelle: Häußermann Klaus/ Grotenhermen Franjo /Milz Eva (Februar 2017): Cannabis, Arbeitshilfe für die Apotheke, 1. Aufl., Deutscher Apotheker Verlag.

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