Der Cannabiskonsum und psychische Erkrankungen

Cannabiskonsum und psychische Erkrankungen stehen miteinander in Verbindung. Hier ist ein Schatten von einem Mädchen zu sehen und rote wirre Streifen als Zeichen von psychischen Erkrankungen.
besteht eine Verbindung zwischen Cannabis und psychischen Erkrankungen? Foto: Joshua Fuller auf Unsplash.

Cannabis wirkt auf die Psyche

In dem Medizinmagazin The Latent Psychiatry erschien eine Studie die bestätige, dass regelmäßiger Cannabiskonsum und psychische Erkrankungen in Verbindung miteinander stehen. Der Konsum kann zum Beispiel Psychosen verstärken oder auslösen. Vor allem ein hoher THC – Gehalt verstärkt dieses Risiko, da das THC die Signalübertragung der Nervenzellen im Gehirn beeinflusst. Je höher das Gehalt, desto höher auch der Einfluss.

Dass Cannabis eine psychoaktive Wirkung auf den Menschen hat ist bekannt. Das ist meistens auch der Grund weshalb Freizeitkonsument*innen überhaupt zu dem Rauschmittel greifen. Doch bei vielen Menschen kommt es auch zu unerwünschten Nebenwirkungen

Die Studie 

Es wurden 901 Menschen zu ihrem bisherigem Cannabiskonsum befragt, die das erste Mal an einer Psychose erkrankten. Die Befragten kamen aus elf unterschiedlichen Ländern Europas und einer aus Brasilen. Die Aussagen wurden mit denen einer gesunden Kontrollgruppe verglichen. Andere Faktoren, die das Psychoserisiko zusätzlich erhöhen können, wurden dabei berücksichtigt. Somit wurde zwischen den Patienten und der Kontrollgruppe bezüglich anderen legalen und illegalen Drogen (Alkohol, Tabak, Kokain und Weitere) sowie des Bildungs- und Beschäftigungsstatuses unterschieden.

Die Verbindung von Cannabiskonsum und psychische Erkrankungen

Diejenigen die täglich Cannabis zu sich nahmen, hatten im Vergleich ein dreimal so hohes Risiko, an einer Psychose zu erkranken. Und umgekehrt: Knapp 30 Prozent der Befragten mit Psychoseerkrankungen gaben an, jeden Tag Cannabis zu konsumieren. In der gesunden Kontrollgruppe waren es nur knapp sieben Prozent. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede bezüglich der Heimatorte, da z.B. in Amsterdam oder London vergleichsweise sehr hochpotentes Cannabis erhältlich ist. Das würde erklären, warum die Anzahl der psychotischen Neuerkrankungen europaweit so stark variiert. Einige der oben genannten Faktoren, wie z.B. der weitere Gebrauch legaler oder illegaler Drogen, erhöhen offenbar auch das Psychoserisiko. Jedoch speziell der tägliche Cannabiskonsum und/oder der übliche Gebrauch von Cannabis mit hohen THC-Konzentrationen, erhöhen eindeutig zusätzlich das Risiko einer psychischen Erkrankung.

Schwächen der Studie

Allerdings hat die Studie auch Schwächen. „Dass die Potenz von Cannabisprodukten nicht direkt erfasst werden konnte, sondern aus den Selbstaussagen von Patienten und Daten der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle geschätzt wurde“, sagte Eva Hoch, Leiterin der Forschungsgruppe Cannabinoide am Klinikum der Universität München, führt zu einer Einschränkung der Studienergebnisse.

Diese Studie beweist daher nicht, dass die Versuchspersonen infolge des Cannabiskonsums psychisch krank geworden sind. Was man über Hanf und die Folgen der Cannabinoide weiß, ist meist unsicher, nicht ausreichend zu belegen, fraglich oder schlicht unbekannt (National Academy of Sciences, 2017). „Bei einer observativen Studie wie dieser ist es nicht auszuschließen, dass einige der Befragten Symptome einer Psychose hatten, bevor sie das erste Mal Cannabis konsumierten“, sagte Suzi Gage, Psychologin an der University of Liverpool. Sie wies darauf hin, dass es einen wechselseitigen Zusammenhang geben könnte: Menschen mit Psychosen könnten aufgrund ihrer Krankheit dazu geneigt sein, Cannabis zu konsumieren. Gleichzeitig könnte regelmäßiger Cannabiskonsum die Symptome einer psychischen Erkrankung verschlimmern. 

Medikamenteneinsatz bei psychischen Erkrankungen

Man kann also laienhaft ausdrücken, wenn bereits eine psychische Vorerkrankung oder eine Veranlagung zu Psychosen besteht, der Cannabiskonsum auch eine hervorrufen kann. Andererseits wird Cannabis als Medikament bei Menschen mit psychischen Erkrankungen eingesetzt. Denn Cannabis wirkt entspannend, entkrampfend und angstlösend. Menschen, die zum Beispiel an schweren Depressionen leiden oder an einer bipolaren Störung, machen oft sehr gute Erfahrungen mit dem Einsatz von cannabisbasierten Medikamenten. 

Der Grund dafür ist, wie oben schon genannt, die Cannabinoide. Es gibt über 100 verschiedene davon in der Cannabispflanze und sie können sich durch den Konsum an die Rezeptoren des Menschen andocken und bewirken verschiedene Vorgänge im Körper, zum Beispiel im Immunsystem. Dieser Vorgang wird in dem Beitrag zum Endocannabinoidsystem genau beschrieben. 

Wichtig ist auf jeden Fall zu bedenken, dass das Cannabis nicht gleich Cannabis ist. Medizinisches Cannabis wirkt anders als das, was es beim Dealer um die Ecke zu kaufen geht. Es hat eine höhere Konzentration an Cannabinoiden und ist auf jeden Fall frei von Pestiziden, Fungiziden und anderen giftigen Stoffen. Deshalb sollte man bei psychischen Erkrankungen keine Selbstversuche mit herkömmlichen Gras durchführen, sondern immer eine begleitete Therapie bei seinem Arzt*Ärztin in Betracht ziehen. Um einen passende*n Arzt*Ärztin zu finden, kann ein Sachverständiger für medizinisches Cannabis unterstützende Hilfe leisten. 

 

Quelle: dal, Ison. ZeitOnline.de

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