Cannabis -Toleranz, Sucht und Abhängigkeit

Auch Cannabis als Medizin kann in eine Sucht führen wenn die Einnahme nicht professionell überwacht wird. Foto: jaroslav-devia-xfYiIpHnvhs-unsplash

Risiken bei der Cannabis Therapie

Wenn Cannabis als Medikament in einer Therapie eingesetzt wird, muss es auch als eines behandelt und bewertet werden. Dem Patient/der Patientin muss klar sein, dass dabei eine Cannabis – Toleranz, Sucht und/oder Abhängigkeit entstehen kann. Wie bei den meisten anderen Medikamenten eben auch. 

Cannabis kann süchtig machen

Das Thema Sucht und Abhängigkeit spielt bei der Einnahme von medizinischem Cannabis, egal in welcher Form, eine große Rolle. So wie private Konsumenten schnell von dem Kraut süchtig werden, kann dies auch den Patienten passieren. Deswegen sollte man nicht mit der Einnahme experimentieren und die Kontrollbesuche beim Arzt unbedingt einhalten, um Auffälligkeiten und Nebenwirkungen zu besprechen. Wenn eine Sucht oder Abhängigkeit entstanden ist, gibt es Mittel und Wege die dem Patienten/der Patientin dort wieder heraus helfen. 

Die Cannabis Toleranz 

Der Patient/die Patientin kann grundsätzlich eine Toleranz gegenüber den körperlichen Auswirkungen von THC entwickeln. Das bedeutet, dass er/sie nicht mehr so empfindlich auf die Nebenwirkungen reagiert, die bei der Einnahme entstehen können. Vor allem gegen “mildere” Nebenwirkungen wie Müdigkeit, verstärkter Appetit und eine falsche Wahrnehmung der Zeit, können sich relativ schnell Toleranzen bilden. Schlecht ist es allerdings, wenn der Patient/die Patientin gegen die Nebenwirkungen eine Toleranz entwickelt, die gewünscht sind. Dann gibt es die Möglichkeit die Form der Einnahme, oder die Dosis zu ändern. All das geschieht natürlich unter Absprache mit dem Arzt. Ob und wie schnell sich eine Toleranz bildet, ist abhängig von der Cannabiserfahrung und der körperlichen Verfassung. 

Durch eine entwickelte Toleranz kann sich auch folgendes ergeben: 

  • Veränderungen des autonomen Nervensystems,
  • Reduzierung des Augeninnendrucks,
  • Veränderung des Verhaltens,
  • und Veränderungen des Schlafverhaltens.                                                                              

Beispiele für Cannabis- Toleranzen: 

In einigen Studien wurden 120 freiwilligen Probanden über einen Zeitraum von 11-21 Tagen tägliche Dosen 210mg THC verabreicht. Die Teilnehmer entwickelten eine Toleranz gegenüber kognitiven und psychomotorischen Beeinträchtigungen sowie dem high-feeling. Nach einigen Tagen wurde auch eine erhöhte Herzfrequenz durch eine normale oder verlangsamte Frequenz ersetzt.

Es wurden weitere klinische Studien durchgeführt, an Patienten die an Krankheiten wie multipler Sklerose, Spastik und Schmerzen sowie Appetitlosigkeit bei HIV/Aids litten. Dabei wurde ihnen 6-12 Monate lang täglich eine THC-Dosis in Höhe von 5-30mg verabreicht. Die Patienten entwickelten dabei keine Toleranz gegenüber den medizinischen Wirkungen. 

Die Entzugserscheinungen

Wenn der Patient/die Patientin die Cannabis- Therapie beendet, aus welchem Grund auch immer, sollte das Medikament am besten “schleichend” abgesetzt werden. Das ist eine sanfte Methode und soll dabei helfen, dass wenig bis keine Entzugserscheinungen entstehen. Beim Ausschleichen werden die Dosen in regelmäßigen Abständen verringert. Jedoch schützt dieses Verfahren nicht garantiert vor Entzugserscheinungen. 

In welcher Form und Heftigkeit die Entzugserscheinungen auftreten ist ebenfalls abhängig von der Höhe der regelmäßig eingenommenen Dosis. In einer Studie von Haney et al. (1999) fühlten sich die Teilnehmer erhöht “ängstlich”, “depressiv” und “reizbar”, beim völligen Verzicht auf THC. Auch das Schlaf- und Essverhalten war negativ beeinflusst. In den Studien von Jones und Benowitz erlebten die meisten Teilnehmer (55-89%) nach plötzlichem Absetzen der THC-Gaben:

  • Reizbarkeit
  • Unruhe
  • Schlaflosigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit
  • Schwindel
  • vermehrten Speichelfluss
  • Störung des Schlafs
  • Zittern
  • Gewichtsverlust

Diese Entzugssymptome wurden allerdings als “mild und vorübergehend” beschrieben. Sie begannen 5-6 Stunden nach der Einnahme der letzten Dosis und verschwanden innerhalb von 4 Tagen. Schlafstörungen bestanden jedoch für einige Wochen.

 

Das bedeutet, dass aus therapeutischer Sicht, die Entzugserscheinungen normalerweise keine große Rolle spielen. Vor allem im Vergleich zu anderen Arzneien. Voraussetzung für diese Aussage ist allerdings eine moderate THC-Dosis. Allerdings sind die Cannabis Toleranz, Sucht und Abhängigkeit nicht zu verachten. Diese Punkte müssen während der Therapie beobachtet werden. 

 

Quelle: Häußermann Klaus/ Grotenhermen Franjo /Milz Eva (Februar 2017): Cannabis, Arbeitshilfe für die Apotheke, 1. Aufl., Deutscher Apotheker Verlag.

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