5 Indikationen für Cannabis-Medikamente

Es gibt viele Krankheitsbilder, für deren Heilung oder Besserung Cannabis-Medikamente in Frage kommen würde. Gerade bei der steigenden Anzahl an psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder bipolaren Störungen, kann die Einnahme von medizinischem Cannabis die herkömmliche Medikation ersetzen. Dabei ist eine individuelle Anamnese unverzichtbar. Denn das exakt gleiche Krankheitsbild, verhält sich bei jedem Menschen unterschiedlich, und auch Cannabis wirkt bei jedem Menschen unterschiedlich. Deswegen kann es für den einen depressiven Patienten hilfreich sein und bei dem anderen nicht. Doch es gibt bereits einige Erkrankungen, bei denen prinzipiell eine cannabisbasierte Therapie sehr gut anschlägt. 

Außerdem ist es leider nach wie vor eine Hürde, Cannabis auf Rezept zu erhalten. Lies dir in diesem Beitrag durch, welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen, dass man als Patient*in überhaupt Cannabis-Medikamente auf Rezept verschrieben bekommt und welche* Arzt*Ärztin Cannabis verschreiben darf. 

Einsatzmöglichkeiten für Cannabis-Medikamente 

Derzeit werden Cannabis-Medikamente vorwiegend bei chronischen Erkrankungen eingesetzt und auf Rezept verschrieben. Eine chronische Erkrankung bringt eine Langzeiteinnahme und auch eine langfristige Behandlung mit sich. Doch es gibt Indikationen bei denen medizinisches Cannabis nur zu einem begrenzten Zeitraum eingesetzt wird, z.B. zur Linderung von Übelkeit und Erbrechen bei einer Chemotherapie. Aber auch ein individueller und bedarfsorientierter Einsatz ist möglich. Beispielsweise um einen Migräneanfall zu unterdrücken. Es gibt aber noch weitere Voraussetzungen die bei einer Verschreibung von medizinischem Cannabis berücksichtig werden müssen.

Definition Indikation

Als Indikation bezeichnet man in der Medizin den Grund für den Einsatz einer therapeutischen oder diagnostischen Maßnahme bzw. welche medizinische Maßnahme bei einem bestimmten Krankheitsbild angebracht ist. Eine Indikation muss nicht immer eine Krankheit sein.

Cannabis ist bei vielen Erkrankungen hilfreich

Chronische Schmerzen

Chronische Schmerzen werden oftmals durch eine Krankheit oder eine Verletzung verursacht, können aber auch undefiniert auftreten. Sie bestehen langfristig über den Behandlungszeitraum hinaus und werden somit zu einer neuen eigenständigen Erkrankung. Cannabis kann diese Schmerzen langfristig abschwächen oder lindern.

Beispiele: Gelenkschmerzen bei Rheuma oder Athrose, Beinschmerzen nach einem Bandscheibenvorfall, Migräne, Cluster- Kopfschmerzen, Rückenschmerzen  usw.

Chronisch – entzündliche Erkrankungen

Sieh dir für eine genaue Erklärung das Video an. 

Beispiele: Colitis ulcerosa, rheumatische Arthritis, Morbus Bechterew usw.

Neurologische Erkrankungen

Neurologische Erkrankungen sind Erkrankungen des Nervensystems oder Erkrankungen, die das Nervensystem beeinträchtigen. Viele neurologische Erkrankungen zeigen sich durch typische Symptome wie Lähmungen, Sprach- und Sehstörungen, Gefühlsstörungen, Konzentrationsschwäche, Gedächtnisstörungen und Orientierungsprobleme. Hier kann Cannabis auf Rezept Abhilfe schaffen. 

Beispiele: Spastik bei multipler Sklerose, Epilepsie, Tourette-Syndrom, Demenz, Alzheimer  u.v.m.

Appetitlosigkeit und Übelkeit

Nicht jede Appetitlosigkeit oder Übelkeit ist krankhaft, stellt gleich eine Gefahr dar und ist somit Grund für eine Therapie mit einer Cannabis Arznei. Meistens sind die Erscheinungen nur von kurzer Dauer weil eine psychische oder physische Belastung vorliegt.

Beispiele: Eine gefährliche Appetitlosigkeit und Übelkeit können bei Krankheiten wie HIV/Aids, einer Krebstherapie oder die Einnahme von Medikamenten auftreten.

Psychiatrische Erkrankungen

Eine psychiatrische Erkrankung beeinflusst das Wahrnehmen und das Verhalten des Erkrankten. Sie wird meist durch traumatisierende Erlebnisse ausgelöst, vor allem wenn bei dem*r Patient*in eine Veranlagung dafür vorherrscht. Die psychiatrische Erkrankung beeinflusst die Wahrnehmung, das Denken und auch das Selbstbild des Betroffenen. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Störungen ist zudem oft eine verminderte Selbstregulationskompetenz. Somit können die Betroffenen ihre Erkrankung auch durch verstärkte Bemühungen, Selbstdisziplin oder Willenskraft nur schwer oder gar nicht beeinflussen. Infolgedessen können die Erkrankten nur schwer bis gar nicht ihren Alltag meistern und haben auch Probleme Beziehungen zu führen. Der Einsatz von Cannabis bei Psychiatrischen Erkrankungen ist allerdings umstritten.

Beispiele: Depressionen, Zwangsstörungen, posttraumatische Belastungsstörung, ADHS usw.

Ein wirklich ergreifendes Beispiel dafür, wie wirksam Cannabis als Medikament ist, liefert Florian Regano im Planty Reasons Podcast. Neben seiner traumatisierenden Kindheit bekam er als weiteres Lebenslaster die Diagnose ADHS. Er war lange Zeit in Therapie und hat einige Medikamente ausprobiert, die allesamt nicht die Wirkung erzielt haben, die wünschenswert gewesen wäre. Seine Zukunft war bereits aussichts- und orientierungslos. Bis er auf Cannabis gestoßen ist. Hör dir die bewegende Geschichte dieses junges Mannes an, dem Cannabis als Medikament das Leben erleichtert und lebenswerter macht. 

Weitere Einsatzmöglichkeiten

Da der derzeitige Wissensstand der Forschung bezüglich Cannabis als Arznei noch in Kinderschuhen steckt, gibt es eine ganze Bandbreite an Erkrankungen für die eine cannabisbasierte Therapie genehmigt wurden.

Hier ein paar Beispiele: Akne inversa, Angststörungen, Arthrose, Asthma, Autismus, Blasenkrämpfe, Borderline- Störung, Borreliose, chronisches Müdigkeitssyndrom, Depressionen, Epilepsie, Fibromyalgie, HWS- und LWS- Syndrom, Lumbalgie, Migräne, Morbus Bechterew, Morbus Crohn, Polyneuropathie, Reizdarm, Rheuma, Schlafstörungen, Tinnitus, Zervikobrachialgie, Zwangsstörungen.

 

Quelle: Häußermann Klaus/ Grotenhermen Franjo /Milz Eva (Februar 2017): Cannabis, Arbeitshilfe für die Apotheke, 1. Aufl., Deutscher Apotheker Verlag.

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